Fransige Pilze aus Efeu drechseln

Werkbericht von Jens Holtkamp

Das Holz vom Efeu gehört sicher nicht zu den Drechselhölzern, die viele Leser schon einmal auf der Drechselbank hatten. Doch gerade durch die unregelmäßigen Luftwurzeln sind selbst kleine Astabschnitte interessant und machen diese Pilze zu etwas Besonderem.
In diesem Frühjahr wurden in unserem Wohnort an einer Eichenallee mehrere Efeuranken gekappt, um ihr weiteres Wachstum einzudämmen. Dazu wurde jeweils ein Stück von etwa einem Meter aus den Ranken herausgetrennt, sodass der obere Teil, der bereits bis in die Kronen der Eichen reichte, absterben konnte.
Bei einem Spaziergang habe ich einige der am Boden liegenden Abschnitte eingesammelt und mit in meine Werkstatt genommen. Schnell entstand die Idee, daraus Pilze zu drechseln. Das frische Efeuholz ist allerdings sehr weich, und schon beim ersten Versuch wurde klar, dass ein dünner Pilzstiel aus einem Stück Efeuranke nicht ausreichend stabil wäre. So entstand schließlich ein Pilz aus zwei Teilen: Der fransige Pilzhut wird aus Efeu, der glatte Stiel aus Ahorn gedrechselt. Eine schöne Kombination aus zwei hellen Holzarten. Durch das Eintauchen in Wasser erhalten einige Pilze zudem einen gebogenen Stiel.

  1. Für die Pilzhüte werden frische Efeuranken mit sogenannten Luftwurzeln und unterschiedlichen Durchmessern bis etwa 5 cm verwendet. Dazu kommen Ahornleisten mit Abmessungen von 130 x 18 × 18 mm und 170 x 24 × 24 mm sowie ein dekoratives Holzstück, auf das später die fertige Pilzgruppe gesteckt wird.
  2. Für den Pilzhut wird ein etwa 10 cm langer Abschnitt der Efeuranke zwischen Mehrzack-Mitnehmer und Mehrzack-Zentrierspitze eingespannt. Die Werkzeugauflage sollte genügend Abstand haben, damit die Fransen beim Einschalten der Maschine frei daran vorbeidrehen können.
  3. Auf einer Seite wird passend für die langen Spannbacken ein Zapfen gedrechselt, damit der Pilzhut anschließend freifliegend bearbeitet werden kann.
  4. Der vorbereitete Rohling wird fest im Spannfutter eingespannt.
  5. Mit der 13-mm-Formröhre wird die Hirnholzseite plan gedreht und ein geeigneter Abschnitt für den Rand des Pilzhutes ausgewählt. Sind dort zu wenige Fransen, drehe ich weiteres Material ab und erstelle den Hut etwas näher am Spannfutter.
  6. Nun wird die Hutoberseite grob in Form gebracht und der Rand auf 3 bis 4 mm Stärke verjüngt. Löst sich dabei die Rinde, kann ich aus dem restlichen Abschnitt noch einen weiteren Versuch starten.
  7. Die Hutunterseite wird etwas ausgehöhlt. Dazu wird die Werkzeugauflage quer vor das Hirnholz gedreht. Die Formröhre wird schräg angestellt und mit feiner Spanabnahme zum Zentrum geführt.
  8. Im Zentrum wird mit einem 5-mm-Bohrer ein etwa 6 mm tiefes Loch für den Pilzstiel gebohrt.
  9. Der Hut wird nun in seine endgültige Form gebracht. Er darf jedoch nicht zu flach werden, da man sonst auf die Bohrung stößt. Bis auf einen kleinen Zapfen wird er fertiggedreht. Auf das Schleifen verzichte ich bewusst, damit der Hut später natürlicher wirkt.

Den vollständigen Artikel findest Du in der Ausgabe 76 des DrechslerMagazins.

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