Grundlagen des Drechselns Teil 16 – Arbeiten mit der Schalenröhre

In den letzten vier Teilen dieser Serie hatten wir die klassischen Standard-Werkzeuge für Drechsler vorgestellt. Nun werden wir uns die Schalenröhre einmal genauer anschauen, denn sicherlich möchten die meisten Einsteiger auch früher oder später Schalen und Gefäße drechseln. Es ist unschwer zu erraten, dass die Schalenröhre für diese Aufgabe die beste Wahl ist. Wenn Sie die ersten Projekte dieser Art in Angriff nehmen, sollten Sie nicht zu überambitioniert einsteigen. Beschränken Sie sich zu Beginn auf kleine flache Schalen, deren Schwierigkeit beim Drechseln vielmehr in der Gestaltung einer schönen, spannungsvollen Form liegt. Die Grundlagen im Umgang mit der Schalenröhre und die nötige Sicherheit erreichen Sie nicht durch allzu großen Ehrgeiz beim Drechseln von übergroßen und tiefen Werkstücken oder weit hinterdrehten Profilen. Lassen Sie sich also möglichst nicht durch die beeindruckenden Arbeiten der Profis verführen. Wählen Sie den sicheren Weg, um den Umgang mit der Schalenröhre zu verinnerlichen und verzichten Sie so weit es geht auf die Erkenntnis, dass man aus Fehlern lernt. Diese Fehler sind beim Drechseln meist mit großen Risiken für Ihre Gesundheit verbunden und nicht nur Einsteigern fällt es oftmals schwer, diese Gefahr richtig einzuschätzen. Daher an dieser Stelle die Empfehlung, anfangs möglichst viele schlichte Formen zu drechseln und dabei nach und nach die nötige Routine für die Realisierung komplexerer Arbeiten zu erreichen.
Mit dem Ziel, sicher zu arbeiten und möglichst gute Fertigkeiten beim Umgang mit der Schalenröhre zu erlangen, liegen Sie mit der Wahl eines Rohlings mit einem maximalen Durchmesser von etwa 15 bis 20 cm genau richtig. Quadratisch oder bereits rund zugeschnittene Rohlinge sind problemlos über den spezialisierten Drechselholzhandel erhältlich und bleibt man bei einer Materialstärke von maximal 50 oder 60 mm in einer gängigen Holzart wie z. B. Ahorn, kann man diese verhältnismäßig günstig beziehen. Drechseln Sie daraus z. B. eine schlichte Müslischale oder gleich einen ganzen Satz für die Familie, am besten auch gleich noch welche für alle Verwandten und Bekannten. Dabei trainieren Sie das Anlegen und Führen der Schalenröhre und werden von Mal zu Mal sicherer. Das ist die Basis für das spätere Ausarbeiten komplexerer Formen, bei denen Sie sich dann zusätzlich auf die Gestaltung konzentrieren müssen. Mit routinierten Fertigkeiten gelingt dies dann wesentlich besser.
Bei der Auswahl der Schalenröhre für die ersten Übungen sollten Sie eher ein handliches Format wählen. In der Regel werden Schalenröhren mit den gängigen Querschnitten von 10, 13, 16 und 19 mm angeboten, wobei sich die beiden dickeren Varianten eher für große, schwere Rohlinge anbieten. Die 13er-Schalenröhre ist für Einsteiger und bei den zuvor empfohlenen Werkstückdimensionen das ideale Werkzeug. Die Schneide der Schalenröhre sollte möglichst als Fingernagelanschliff ausgeführt sein, da diese Form einige Vorzüge hat. Die weit zurückgeschliffenen Flanken der Schneide verzeihen anfangs noch so manchen Haltungsfehler und dennoch machen Sie das Werkzeug sehr effektiv im Spanabtrag. So kann man mit der Schalenröhre mit Fingernagelanschliff und etwas Übung beinahe alle Bereiche des Werkstücks bearbeiten, ohne auf verschiedenste andere Werkzeuge zugreifen zu müssen. Daher ist die Schalenröhre bei den meisten Drechslern ein besonders beliebtes Werkzeug. Mit fortgeschrittenen Fertigkeiten kann man mit diesem Werkzeug auch sehr gut in Nassholz arbeiten, wobei hier in Quer- wie Längsholz die Späne meterlang durch die Luft schwirren.

Die Technik

Das Anlegen der Schneidenfase am Holz ist bis auf sehr wenige Ausnahmen auch bei diesem Werkzeug elementar wichtig und das Missachten dieser Grundregel wird meist mit beeindruckendem Einreißen des Werkzeuges quittiert. Auch an dieser Stelle möchten wir nochmals auf die ersten Übungen mit Schrupp- oder Formröhre hinweisen, die auch für den Umgang mit der Schalenröhre eine gute Basis für das Verständnis der idealen Arbeitsweise bilden. Auch wenn wir bisher mit Schrupp- und Formröhre sowie mit dem Abstechstahl oder dem Meißel unsere ersten Übungen ausschließlich in Längsholz gemacht hatten, unterscheidet sich die Technik der Schneide unserer Schalenröhre nicht gravierend von diesen Werkzeugen. Erneut muss jedoch auf die Faserrichtung des Holzes geachtet werden, da Schalen in den meisten Fällen aus Querholz gedrechselt werden. Wurde also bisher im Längsholz vom großen in den kleinen Durchmesser geschnitten, um die parallel zur Drehachse verlaufende Holzfasern sauber abzutrennen, muss nun quer zur Holzfaser gearbeitet werden. Dies erfordert verschiedene Variationen in der Arbeitsweise.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im DrechslerMagazin Ausgabe 53 (Winter 2020).

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