Das Drechselhandwerk zur Zeit der Wikinger

Reportage von Randolf Pohl:

Die Lage von Haithabu
Wer auf der A7 in Richtung Norden fährt, der passiert auf Höhe der Stadt Schleswig, möglicherweise ohne es zu ahnen, zwei der bedeutendsten Bodendenkmäler Schleswig-Holsteins. Zum einen gibt es dort das Danewerk, eine gut erhaltene Wallanlage, die circa ab dem 7. Jahrhundert die Grenze des dänischen Reiches vor Feinden aus dem Süden schützen sollte. Unser Augenmerk richtet sich jedoch auf die am Ende der Schlei gelegene, frühe mittelalterliche Stadt Haithabu am Haddebyer Noor. Diese Stadt war ein bedeutender Handelsplatz und Hauptumschlagsort für den Handel zwischen Skandinavien, Westeuropa und dem Baltikum. An dieser Stelle findet man heute das Wikinger Museum Haithabu, wo man das Wikingerleben hautnah und mit allen Sinnen nacherleben kann. Auch das Drechselhandwerk hat in Haithabu eine Rolle gespielt: Zahlreiche Funde geben Aufschluss über die gefertigten Arbeiten und die angewandten Techniken der Wikinger.

Geschichtliche Bedeutung von Haithabu
Gegründet wurde Haithabu um 770 von den Dänen und entwickelte sich sehr bald zum Handelszentrum. Die Lage war für damalige Verhältnisse sehr günstig, da die schiffbare Schlei den Seehandel zuließ und hier außerdem auf dem sogenannten Ochsenweg die uralte Nord-Süd-Route verlief. Es wird vermutet, dass hier auch Güter umgeschlagen wurden, um sie auf dem Landweg zur nahe gelegenen Eider und von dort weiter über die Nordsee zu befördern. Im Laufe des 9. bis ins 10. Jahrhundert entwickelte sich der Ort somit zu einem überregional bekannten Handelsplatz mit mindestens tausend ständigen Einwohnern. (Abb. 1)

Diese Entwicklung wurde durch die wechselvolle Geschichte des Ortes nicht beeinträchtigt. Beherrschten um circa 800 noch von Dänemark unabhängige schwedische Wikinger die Region, so wechselten die Machtverhältnisse zwischen Dänemark, den Wikingern, dem ostfränkisch-sächsischen bzw. dem römisch-deutschen Reich, bis Haithabu um 983 letztendlich an den dänischen König fiel. Damit wird deutlich, welch große Bedeutung Haithabu für den damaligen Handel zwischen dem Fränkischen Reich und Skandinavien sowie zwischen Nord- und Ostsee zufiel.

Seine Blüte erreichte Haithabu im 10. Jahrhundert und hatte zu dieser Zeit bereits mindestens 1500 ständige Einwohner. Sie waren nicht nur Händler und Seefahrer, sondern insbesondere auch geschickte Handwerker, was zahlreiche Grabungsfunde belegen. Wichtig für die Bedeutung Haithabus war dabei besonders die Herstellung und Bearbeitung von Glas, Werkzeugen und Tonwaren für den täglichen Gebrauch. Obwohl gut geschützt durch Wall und Palisade, kam es anlässlich einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Norwegen und Dänemark im Jahre 1050 zur Zerstörung der Stadt. Anschließend nur teilweise wieder hergestellt wurde Haithabu dann 1066 geplündert und gebrandschatzt und nicht wiederaufgebaut.

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 43 / Sommer 2018 finden Sie den vollständigen Artikel.

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