Zirbenschale drechseln

Werkbericht von Holger Graf

Der Nachhaltigkeitsgedanke war in den letzten Jahrzehnten nie so präsent und verbreitet wie heute. Und was vor Kurzem noch als wenig schick galt, ist nun wieder im Trend. Dies gilt auch für den Werkstoff Holz sowie für gedrechselte Gebrauchsgegenstände, die zu Unrecht aus vielen heimischen Küchen verbannt worden sind. Die Patina einer über Jahre gebrauchten Schale wurde plötzlich als unhygienisch angesehen und das Gefäß gegen eine bunte Plastikschüssel ersetzt. Heute weiß man, dass diese Kunststoffe Schadstoffe abgeben und hinsichtlich der Hygiene im Vergleich deutlich schlechter abschneiden als die meisten Hölzer. Eine Holzart, die sich hier besonders mit ihren positiven Eigenschaften hervortut, ist die Zirbe. Das Holz der Zirbe, oder auch Zirbel-Kiefer, ist nachweislich antibakteriell und die ätherischen Öle wirken sich offenbar positiv auf Körper und Seele aus. Bereits unsere Vorfahren waren sich dieser Vorteile bewusst und stellten aus Zirbelholz, neben allerlei anderen Dingen, insbesondere auch Gefäße für Lebensmittel her, die darin länger haltbar sind.
In diesem Beitrag zeigen wir die Herstellung einer ganz klassisch im Spannrezess gedrechselten Gebrauchsschale aus Zirbe, wie sie in verschiedenen Größen gefertigt z. B. für Brot, Salat, Obst, Müsli oder zum Gehenlassen von Hefeteig verwendet werden kann. Der Rezess kann, sofern sauber ausgearbeitet, als
Gestaltungselement des Bodens belassen werden und ein zusätzliches Überdrehen der Standfläche ist somit hinfällig. Gebrauchsschalen sollten in erster Linie praktisch und robust sein und daher wird die gesamte Gestaltung auf ein Minimum reduziert. Dies bedeutet aber, dass umso mehr auf einen spannungsvollen Formverlauf geachtet werden sollte. Die Schönheit liegt hier gerade in der schlichten Gestaltung der Schale.

 

Werkbericht

  1. Der Rohling für dieses Projekt misst im Durchmesser ca. 220 mm und ist 110 mm dick. An der Bandsäge wurde dieser bereits rund gesägt, was das Vorschruppen erleichtert. Grundsätzlich kann man aber auch quadratische Rohlinge bis etwa zu dieser Größe aufspannen und die Ecken abdrehen.
  2. Um den Rohling aufspannen zu können, wird dieser auf der späteren Oberseite zentriert und für die Aufnahme in ein Schraubenfutter vorbereitet. Das Loch sollte etwa 2 bis 3 mm kleiner als der Durchmesser der Schraube sein, deren Größe Sie an Ihrem Schraubenfutter abnehmen. Natürlich muss die Bohrung auch ausreichend tief sein, um die Schraube komplett aufzunehmen.
  3. Es gibt Schraubenfutter und mit Schrauben kombinierbare Spannfutter. Bei Letzteren wird das Spannfutter auf die Drechselbank aufgenommen und die Schraube zwischen den Spannpacken eingespannt.
  4. Der Rohling wird am Schraubenfutter angesetzt und die Schraube durch Drehen des Handrads bzw. des Futters in die Bohrung im Holz gedreht. Die Schraube muss sicher greifen und komplett im Holz verschwinden, sodass das Werkstück satt an den Spannbacken anliegt.
  5. Die Handauflage wird mit einem Abstand von etwa 5 bis 10 mm vor dem Rohling, etwas oberhalb der Werkstückmitte positioniert. Zur Sicherstellung, dass sich das Werkstück tatsächlich frei dreht, wird dieses zuerst ein oder zwei Umdrehungen von Hand gedreht. Bei größeren Rohlingen, kann zur Sicherung noch die Zentrierspitze hinzugezogen werden.
  6. Mit reduzierter Geschwindigkeit wird die Drehbank gestartet. Bei Maschinen mit elektronischer Drehzahlsteuerung kann die Geschwindigkeit vorsichtig angehoben werden. So wird die Drehzahl im Verhältnis zur Werkstückunwucht bis auf eine optimale Geschwindigkeit gebracht.
  7. Mit einer 16-mm-Schalenröhre werden nun die Unebenheiten am Umfang beseitigt. Mit einer
    frisch geschärften Schneide sollte diese Arbeit keinen größeren Kraftaufwand bedeuten.
    Sicherheitshalber sollte das Werkzeug dabei aber auf der Handauflage geführt werden, um die Schläge des Holzes auf die Schneide bzw. Schneidenfase auszugleichen.

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 50 (Frühjahr 2020) finden Sie den vollständigen Werkbericht.

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