Eleanor Lakelin – Erhabenheit der Natur

Künstlerporträt

Im Porträt

Strukturen, Risse, Verfall und Vergänglichkeit stehen scheinbar im Kontrast zu den wundervoll geformten Werken von Eleanor Lakelin. Doch weit gefehlt: Dieses seltsame Gefühl, eine Mischung aus bedrückender Schwere, das zugleich seltsam befreiend und ergreifend zu sein scheint, ist altbekannt. Lakelin beschreibt ihren Arbeitsprozess als Abkürzung zum Gipfel eines Berges oder mit dem Anblick der unglaublichen Weite des Horizonts. Diese Szenarien geben Einblick in die manchmal unbegreifliche Schönheit der Natur, die einem zugleich die eigene Vergänglichkeit und Nichtigkeit vor Augen führt. Der Begriff, nach dem der Betrachter sucht ist: Erhabenheit. Viele Künstler, ob in der Malerei, Musik oder Literatur haben versucht, dieses Gefühl in ihre Werke einfließen zu lassen und den Betrachtern, Zuhörern und Lesern ein erhabenes, ehrfürchtiges Gefühl zu vermitteln. Durch das Schwanken zwischen laut und leise, imposanten und sanften Klängen, dem Beschrieb von Gefühlen, die durch Naturmethapern verdeutlicht werden oder auch durch die Verbildlichung der Naturgewalt im Gegensatz zum kurzen Dasein der Menschheit auf unserer Erde. Ein Gefühl, das auch beim Betrachten der Gefäße und Skulpturen von Lakelin in manchem Betrachter aufkommen mag, wenn er den Blick über die sanften Schwünge gleiten lässt, unterbrochen von spitzen Formen und Unebenheiten, die trotz des Kontrastes unaufhörlich eine Einheit bilden.
Lakelin ist stets hin- und hergerissen zwischen Verfall und Kreation. Ihre Inspiration zieht sie aus der Natur. In Holz nimmt sie die Strapazen von Jahrhunderten wahr, erkennt die Geschichte, die diese Materialien in sich tragen und möchte diese erzählen.

Aufgewachsen ist sie in einem ländlichen Dorf in Wales, das zehn Meilen von der nächsten Stadt entfernt lag und somit hat sie sich schon als Kind viel in der Natur aufgehalten. Damals beschäftigte sich lieber damit, Dinge zu reparieren, statt Neues zu kreieren. Ihr Vater, ein gelernter Mechaniker, ermutigte sie dazu und war froh, dass eine seiner Töchter handwerkliches Interesse zeigte. In der Schule durfte sie allerdings nicht den Werkunterricht besuchen, das war was für Jungs. „Ich musste den Handarbeitskurs belegen, den ich allerdings abwählte, um schließlich ganz hinten im Töpferkurs zu sitzen und lediglich zuzuschauen.“
Nach der Schule beschloss Lakelin, Sprachen an der University of East Anglia zu studieren, um aus der Abgeschiedenheit des walisischen Heimatdorfes herauszukommen und zu reisen. Nach ihrem Abschluss war sie zwei Jahre lang ehrenamtlich in Kwara, Nigeria, tätig, wo sie beim Aufbau der Schulen half, an denen sie Englisch als Fremdsprache lehrte. Anschließend unterrichtete sie sieben Jahre lang an weiterführenden Schulen in London und war weitere drei Jahre im Bereich Sonderpädagogik tätig.
Lakelin sehnte sich jedoch danach, mit ihren Händen zu arbeiten und kreativ zu sein. Als sie ein heruntergekommenes Haus in Südlondon gekauft hatte, schrieb sie sich daraufhin in Verputz- und Holzbearbeitungskurse ein, um das Haus selbst renovieren zu können. Sie genoss die Holzbearbeitung so sehr, dass sie von 1995–96 eine Ausbildung zur Schreinerin machte und von 1996–98 Kurse am London College of Furniture besuchte. Als sie zum ersten Mal mit einem Sandstrahler arbeitete war sie sofort fasziniert. „Ich mochte die Fähigkeit, die Erosion des Materials zu beschleunigen.“ Sie experimentierte, bildete Witterungseffekte und die natürliche Abnutzung des Holzes nach, um die Essenz des Werkstücks freizulegen und den Lauf der Zeit sowie die Vergänglichkeit des Daseins zu verbildlichen.

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 49 (Winter 2019) finden Sie den vollständigen Artikel.

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