Wizardry in Wood: Art – Beauty – Skill – Mystery

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Bericht von Annika Schulte

Vom 12. bis 15. Oktober 2016 fand in London zum vierten Mal die Ausstellung Wizardry in Wood mit herausragenden Werken zeitgenössischer britischer Drechsler statt. Die Ausstellung wird seit 2004 alle vier Jahre von der Londoner Worshipful Company of Turners veranstaltet. Die Company gehört zu den ältesten Berufsverbänden der Stadt. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist es, die Drechselkunst lebendig zu halten. Dafür werden Drechsler gefördert, Erfahrungen weitergegeben, neue Interessenten geworben – und Ausstellungen wie Wizardry in Wood veranstaltet.

 

Die Ausstellung war in vier Bereiche unterteilt:

 

Drechselarbeiten von 25 renommierten zeitgenössischen Drechslern aus England

Beiträge zu mehreren Drechselwettbewerben

Arbeiten zeitgenössischer internationaler Drechsler aus der Daniel Collection

Objekte aus der Economic Botany Collection der Royal Botanic Gardens, Kew

 

Von den 25 Drechslern des ersten Bereichs überraschten viele mit ihrer Experimentierfreude bei der Oberflächengestaltung: Ein großer Teil der ausgestellten Drechselarbeiten war beschnitzt, pyrographiert, gefräst, durchbohrt und bemalt.

Eleanor Lakelin zum Beispiel kombinierte bei ihren gedrungenen Vasen Drechsel- und Schnitztechniken. Aus der Oberfläche der Gefäße scheinen sich lauter kleine Erhebungen herauszuschälen, die für ein schönes Licht-und-Schatten-Spiel sorgen und die Maserung des Holzes auf ungewöhnliche Weise hervorheben. Sally Burnett, Mick Hanbury und Richard Kennedy bearbeiteten Vasen und Schalen mit Fräsern und Dentalbohrern, mit denen sie filigrane Muster in die Wandungen einarbeiteten. Auf diese Weise entstanden auch die Blütenschalen von Joey Richardson. Carlyn Lindsay verleimte Holzrohlinge mit farbigen Furnieren, sodass ihre Drechselarbeiten von geometrischen Mustern durchzogen werden. Nick Agar, Phil Irons und Dennis Hales experimentierten mit Farben und anderen Materialien. Demgegenüber konzentrierten sich Drechsler wie Ray Key, Richard Chapman, Simon Hope und Mark Hancock auf naturbelassene Arbeiten aus schönen Hölzern mit minimalistischen bis extravaganten Formen. Besonders waren auch die Schalen und Pokale von Paul Coker, der auf die Ornamentaldreherei spezialisiert ist und in verschiedenen historischen Stilen arbeiten kann. Für viele der Drechsler war das Verwenden von Farbe und anderen Materialien keine Entweder-oder-Frage. So stehen beispielsweise in den Blütenschalen von Joey Richardson naturbelassene, bemalte, pyrographierte und durchbrochene Partien nebeneinander, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Viele der 25 Drechsler waren auch während der Ausstellung anwesend, um Interessierten Auskunft über ihre Arbeit zu geben. Die Ausstellung bot ihnen auch die Möglichkeit, ihr Werk einem großen Publikum zum Verkauf anzubieten. Tatsächlich können einige von ihnen von der Drechselarbeit leben.

Die Beiträge in den Drechselwettbewerben wurden in einem eigenen Saal präsentiert. Insgesamt waren zwölf Wettbewerbe ausgeschrieben, darunter „Plain turning“ und „Ornamental turning“. Einer der Wettbewerbe erinnerte an den Großen Brand von London 1666, der sich in diesem Jahr das 350. Mal jährte. Hier gewann Louise Hibbert mit Pfeffermühlen, die als brennende Fachwerkhäuser gestaltet waren, den ersten Preis. Die Wettbewerbsbeiträge wurden von den Besuchern intensiv begutachtet und rege diskutiert. Die Preise wurden von englischen Firmen gestiftet.

Die Daniel Collection ist eine Sammlung herausragender Drechselarbeiten des Londoner Ehepaars Shirley Sinclair und Jonathon Cuff. Mit 350 Objekten zählt sie zu den größten Privatsammlungen zeitgenössischer und internationaler Drechselkunst in England. Die 48 Werke, die die beiden begeisterten Sammler für die Ausstellung zur Verfügung stellten, zeugen von der Kreativität und Leistungsfähigkeit des heutigen Drechselns.

Ein spannendes Gegengewicht zu den modernen Drechselarbeiten bildete die Ausstellung von Objekten der Eco-
nomic Botany Collection der Royal Botanic Gardens, Kew. Die Sammlung dokumentiert die menschliche Nutzung von Pflanzen durch die Jahrtausende. Alle Objekte erfüllten einst einen praktischen Nutzen. Auf dieser Reise durch die Zeitgeschichte der Holzverarbeitung begegnete man  Ebenholzkämmen aus Sansibar, Hölzern aus fernen Ländern, Musterstücken für Treppenpfosten – und auch Reifendrehereien aus dem Erzgebirge.

Dank der künstlerischen und handwerklichen Qualität der Exponate, dem Abwechslungsreichtum und dem lebendigen Austausch zwischen Drechslern und Sammlern, konnte die Ausstellung voll überzeugen.

 

Für weitere Informationen über Wizardry in Wood und die Daniel Collection:

 

www.wizardryinwood.com

www.thedanielcollection.com

 

Dieser Artikel ist im DrechslerMagazin Ausgabe 37 / Winter 2016 erschienen.

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