Natacha Heitz im Interview – Die Kunst des cRAKŬ

Künstlerporträt

Die Liebe zur Natur und die Faszination für Wölfe führten Natacha Heitz in den Queyras, die alpine Landschaft im südlichen Teil der französischen Alpen. Nach der Rückkehr des Wolfes in dieses Gebiet, setzte sie sich im Naturschutz intensiv mit der pastoralen Tierhaltung auf Naturweiden auseinander. Natacha Heitz verliebte sich in diese vielseitige Natur der Alpenlandschaft und blieb ihrer Wahlheimat treu, obwohl sie sich 2013 nach einer beruflichen Veränderung sehnte. Insbesondere, um wieder mehr Zeit in der Natur zu verbringen, wünschte sie sich ein zurückgezogeneres, intimeres Arbeiten; der Schritt in die Holzbearbeitung lag für sie dabei keineswegs fern. Denn von jeher fühlte sie sich vom Werkstoff Holz angezogen. Die Besonderheiten dieser Region verleihen der Künstlerin Kraft und schenken ihr immer wieder neue Inspiration: Die Berge mit den schneebedeckten Gipfeln, deren Charakter sich je nach Lichtverhältnis verändert, der unglaubliche Charme der Lärche: im Frühling mit roten Blumen geschmückt, grün und weich im Sommer, gelb-orange leuchtend im Herbst und im Winter nackt und die Tiere zeigend verleihen dem Gebiet zusammen mit ihrem Höhenbegleiter, der Zirbelkiefer, seine Identität. Die handwerkliche Tätigkeit mit dem Naturmaterial ermöglichte es der Künstlerin, ihre Verbindung zur Natur noch einmal verstärkt zum Ausdruck zu bringen. Ihr Atelier Le Bois d´Ylva, zu Deutsch „Das Holz der Wölfin“, taufte Sie dennoch nach den Tieren, für die Sie ursprünglich in den Queyras gekommen war. Ylva bedeutet auf Niederländisch „Wolf“ und ist zugleich auch der Name, der ersten mit einem Senderhalsband ausgestatteten Wölfin in Frankreich, nachdem die Tiere 1992 in diesen Lebensraum zurückkehrten.
Verbunden mit der Zirbelkiefer, die in den Bergen wächst, in denen sie sich zu Hause fühlt, stellt ihr kreatives Schaffen die Thematik des Kontrasts in den Vordergrund. Die Künstlerin bearbeitet ihre Objekte durch Drechseln, Schnitzen und Bildhauen; Holz ist für sie dabei das ideale Material, um ihre Vorliebe für Harmonie in Dissonanzen zum Ausdruck zu bringen. Ihre Handschrift basiert auf ihrer einzigartigen Technik, die sie cRAKŬ getauft hat. Das Holz wird dabei mit Feuer bearbeitet und mit Farben inszeniert, um eine einzigartige Textur zu erschaffen. Das Feuer, das gleichzeitig Angriff und Sublimierung des Holzes ist, ermöglicht es, verborgene Seiten und ungeahnte natürliche Texturen der Zirbelkiefer zum Ausdruck zu bringen.
Ihre Skulpturen, Vasen, Wandbilder und andere originelle Kreationen sind auf Messen, Ausstellungen, in Galerien und Boutiquen zu finden. Wir haben Natacha Heitz interviewt, um Ihnen einen Einblick in ihren persönlichen Schaffensakt aufzuzeigen.

Warum haben Sie Holz als Medium gewählt?

Holz ist ein natürliches, lebendiges Material, das sich noch lange, nachdem es gefällt wurde, weiterentwickelt. Es hat viele Reize: die Farbe, den Geruch, die unterschiedlichsten Maserungen und es bietet einfach unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Ich schätze es, durch verschiedene Techniken mit dem Holz zu spielen, eigene Ideen einfließen zu lassen oder es durch meine Bearbeitungsmethoden vollständig zu verändern.
Ich habe zunächst mit der Messerschnitzerei begonnen und Tiere gefertigt. Obwohl mir die Ergebnisse sehr gut gefielen, war es nicht die richtige Technik für mich. Ich war mir sicher, dass ich zwar mit Holz arbeiten wollte, aber auf andere Weise. Eines Tages kaufte ich mir eine Drechselbank und es war Liebe auf den ersten Blick! Ich fand alles, was ich liebte: die Arbeit mit Holz, egal welcher Art, die Harmonie runder Formen – auch wenn ich später lernte, auf der Drechselbank „nicht rund“ zu arbeiten – sowie die Möglichkeit, ein hartes Material sanft und ohne Kraftaufwand zu bearbeiten. Ein Universum an Möglichkeiten hatte sich mir eröffnet!

Wie haben Sie Ihre Fähigkeiten im Bereich des Drechselns erlernt?

Nachdem ich mich entschlossen hatte, beruflich einen neuen Weg einzuschlagen, habe ich eine einjährige Umschulung absolviert. In dieser Zeit habe ich Praktika bei verschiedenen Drechslern gemacht, deren Arbeit mir gefiel: hauptsächlich bei Jean Dominique Denis, Jean-François Escoulen und Alain Mailland. Danach habe ich mich niedergelassen und mich weiterhin bei vielen außergewöhnlichen Drechslern, die ich kennengelernt habe, fortgebildet. Im Bereich des Drechselns gibt es glücklicherweise sehr viele talentierte Menschen, die ihre Leidenschaft und ihr Wissen gerne mit anderen teilen.

Wie wichtig ist das Drechseln in Ihrem kreativen Prozess?

Das Drechseln ist die Grundlage meiner Arbeit. Auch wenn manche Stücke kantig sind oder anschließend durch Schnitzen weiterbearbeitet werden, gibt es fast immer einen Durchgang an der Drechselbank. Es ist faszinierend für mich, wie sich das Objekt Stück für Stück entwickelt; ich liebe es, die Späne fliegen zu sehen und die Düfte des Holzes zu riechen, die während des Bearbeitungsprozesses intensiviert werden. Neben all diesen schönen Momenten, die ich während des Drechselns schätze, ist die Arbeit an der Drechselbank aber auch eine gigantische Zeitersparnis! Wenn ich ein Werkstück gedanklich visualisiert und die Form festgelegt habe, überlege ich mir, wie ich es am besten auf der Drechselbank herstellen kann. Jeder Span, der auf der Drechselbank entfernt wird, ist ein Span weniger, der im bildhauerischen Prozess weggenommen werden muss!

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 64 finden Sie den vollständigen Artikel.

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