Die Zirbelkiefer – Pinus cembra

Baumporträt von Raimund Aichbauer

Die Zirbel-Kiefer, auch Zirbe, Zirbel, Arve oder Arbe genannt, gehört zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Die Zirbel-Kiefer ist ein Charakterbaum der mitteleuropäischen Hochgebirge. Der botanische Name ist Pinus cembra. Oftmals wird sie auch als „Königin der Alpen“ betitelt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind die Alpen sowie die Karpaten, sie kommt aber auch im Zentralmassiv und den Vogesen, dem Dinarischen Gebirge sowie im Balkan vor. In den Zentralalpen ist sie meist in 1500 bis 2850 Metern Höhe zu finden, in den Karpaten bei 1200 bis 1700 Meter, selten jedoch darüber hinaus.
Die Sibirische Zirbel-Kiefer (Pinus sibirica), die Zwerg-Kiefer (Pinus pumila), die Korea-Kiefer (Pinus koraiensis), die Mädchen-Kiefer (Pinus parviflora) sowie die Rumelische Kiefer (Pinus peuce) wurden ursprünglich als Varietäten der Zirbel-Kiefer angesehen, werden aber heute alle als eigenständige Arten geführt. Sie alle haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Pinus cembra und sind nur schwer voneinander zu unterscheiden, das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Arten liegt allerdings überwiegend in den Gebirgen und Hochgebirgen Asiens.
Die Zirbel-Kiefer gehört zu den fünfnadeligen Kiefernarten. Sie wächst bis zu 20 Meter hoch, 2 bis 4 Meter breit und erreicht einen Stammdurchmesser von etwa 1,5 Metern. Die Baumkrone ist in der Jugend schmal und kegelförmig mit einer eiförmig geschlossenen Krone. Die Äste wachsen bogenförmig nach oben. Im Alter ist die Zirbel-Kiefer ein malerischer, breit ausladender Baum, oft mit mehreren Wipfeln, von Schnee, Sturm und Blitz zerbrochener Krone und kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Sie kann den widrigsten Verhältnissen standhalten und Temperaturen von -50 Grad ohne weiteren Schaden überstehen. Trockenheit und Temperaturen von +50 Grad und die hohe UV-Einstrahlung im Gebirge können ihr ebenfalls nichts anhaben. Am besten wächst sie auf feuchten, humusreichen, leicht sauren Steinböden, nimmt aber auch jeden anderen Boden in den Höhenlagen an, wächst dann jedoch nicht so ergiebig. Aufgrund des langsamen Wachstums ist die Zirbel-Kiefer in den tieferen Lagen nicht in der Lage, sich gegen andere, viel schneller wachsende Arten zu behaupten. Um eine Höhe von 6 bis 7 Meter zu erreichen, braucht der Baum bis zu 30 Jahre und mehr.
Das Wurzelsystem der Zirbel-Kiefer ist wohl seine wichtigste Waffe gegen die meist nur sehr dürftige Humusschicht in lawinengefährdeten Lagen. Als Keimling bildet sie eine Pfahlwurzel, die schon nach wenigen Jahren abgestoßen wird. Daraufhin bildet der Baum flache Wurzeln, sogenannte Senkerwurzeln aus, die bis in die kleinsten Spalten und Ritzen nach unten treiben und der Zirbel-Kiefer einen außerordentlich festen Halt geben. Diese Eigenschaften sollte man vor allem in den lawinengefährdeten Regionen besonders schätzen und pflegen. Anpflanzungen von Zirbel-Kiefern an offenen gefährdeten Stellen an der Baumgrenze werden, wohl auch aufgrund des langsamen Wachstums, nur selten umgesetzt, obwohl sie in manchen Regionen die Lawinengefahr beachtlich senken und als Schutzwald dienen könnten.

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