TwinWood – Kreativität braucht Raum

Künstlerporträt

Für Jonathan und Jan-Peter Hilger ist das Drechseln ein Zwiegespräch mit der Natur. Doch das allein reicht nicht aus, um künstlerische Freiheit auszuleben. Es braucht das feine Zusammenspiel aus Materialkenntnis, Kreativität, handwerklichem Können und absoluter Präzision. Unter dem Namen TwinWood meistern die Zwillingsbrüder am Waldrand der Eifel den Balanceakt zwischen technischem Verständnis und instinktiver Formfindung.
Hauptberuflich als Maschinenbauingenieure tätig, absolvierten die beiden zuvor Ausbildungen als Industrie- und Feinwerkmechaniker. Dieser Werdegang ist das Fundament, auf dem ihre Kunst ruht. Im Laufe der Jahre entfernten sie sich zunehmend von engen Konventionen – hin zu großformatigen Skulpturen von enormer räumlicher Präsenz.
Doch dieser Drang nach Entfaltung fordert ebenfalls Raum: Die monumentalen Werkstücke verlangen in der Entstehung nach technologischer Souveränität und maßgeschneidertem Equipment. Ihr Fokus hat sich dabei vom reinen Handwerk hin zur emotionalen Kraft des Materials verschoben. Besonders fasziniert sie die Transformation nach dem Schnitt: Wenn ein perfekt symmetrisch ausgearbeitetes Objekt durch die anschließende Trocknung seine Starre verliert. Das hauchdünn gedrehte Holz arbeitet, verzieht sich und findet ganz von allein zu einer spannungsfreien, lebendigen Form.
Am Ende schließt sich der Kreis: Diese lebendigen Skulpturen drängen unaufhaltsam hinaus aus der Werkstatt. Sie suchen neue Räume – in Galerien und Ausstellungen –, um dort ihre volle Wirkung zu entfalten.
Die intensive Leidenschaft für das Drechseln entflammte im Jahr 2017 während ihres Studiums durch eine vom Vater angeschaffte Drechselbank. Die Neugier der Brüder war sofort geweckt; gänzlich autodidaktisch entwickelten sie eine echte Passion. Das Fundament für die Begeisterung für den Werkstoff Holz wurde jedoch schon früher gelegt: Bereits als Jugendliche schulten sie in der väterlichen Werkstatt mit Schnitzbeilen ihre Feinmotorik und entwickelten ein instinktives Gespür für das Material. Von nun an ließen sie jedoch in jeder freien Minute die Späne fliegen. Beim Verarbeiten von saftfrisch geschlagenem Nassholz begriffen sie schnell, was es bedeutet, mit der Lebendigkeit der Natur zu arbeiten. Jedes Stück offenbarte eigene Herausforderungen wie unvorhersehbare Faserverläufe oder enorme Spannungen im Wildwuchs. In den ersten sechs Jahren verzichteten die Brüder komplett auf Kurse. Sie erarbeiteten sich jedes Detail über Fachliteratur und das unermüdliche Erproben an der rotierenden Spindel – immer mit dem Ziel, die Form physikalisch an die Grenze des Möglichen zu treiben.
Der Anfang war von harten Lektionen geprägt. Ihre allererste Schale war zu 95 Prozent vollendet, als im letzten Moment der Boden zu dünn wurde und das Werkstück als bloßer Ring endete – ein Scheitern, das den eisernen Ehrgeiz der beiden nur noch mehr anspornte. Schnell stießen sie mit der Anfängerbank an ihre Grenzen und investierten in Profi-Werkzeuge, ein Schärfgerät und eine neue Drechselbank.

Den vollständigen Artikel findest Du in der Ausgabe 75 des DrechslerMagazins.

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