Oloid-Dose drechseln

Werkbericht von Jens Holtkamp

Als mich kürzlich die Anfrage eines DrechslerMagazin-Lesers erreichte, ob ich mal einen Beitrag über das Oloid schreiben könnte, musste ich nicht lange überlegen. Anschließend soll es also um die Frage gehen, was diesen besonderen Körper so einzigartig macht und wie man ihn drechseln kann.
Ein Oloid ist ein geometrischer Körper, dessen Grundform auf zwei gleich großen Kreisen basiert. Diese stehen im Winkel von 90 Grad zueinander und sind so angeordnet, dass der Mittelpunkt jedes Kreises auf dem Umfang des jeweils anderen liegt. Aus dieser besonderen Anordnung entsteht die charakteristische geschwungene Form.
Ein geometrisch exaktes Oloid kann auf einer herkömmlichen Drechselbank nicht unmittelbar hergestellt werden. Mit einer etwas abgewandelten Konstruktion lässt sich jedoch eine sehr ähnliche Form drechseln. Ausgangspunkt dafür ist eine Kugel, die in mehreren Arbeitsschritten umgespannt und weiterbearbeitet wird.
Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Die grundlegenden Techniken dazu habe ich durch Vorführungen und Workshops bei Hans Weißflog kennengelernt. Im Laufe der Zeit habe ich die Arbeitsweise für mich weiterentwickelt und einzelne Arbeitsschritte an meine eigenen Drechseltechniken angepasst.
Für die hier vorgestellte Arbeit dient eine Kugel mit 90 mm Durchmesser als Ausgangspunkt, die aus zwei Halbkugeln aufgebaut wird. Üblicherweise können solche Halbkugeln zunächst mithilfe einer Papierverleimung miteinander verbunden, gemeinsam bearbeitet und anschließend wieder getrennt werden. Bei meinem Oloid gehe ich jedoch einen anderen Weg: Aus den beiden Halbkugeln entsteht gleichzeitig eine Dose. Deckel und Unterteil werden deshalb nicht fest miteinander verleimt, sondern erhalten eine Klemmverbindung aus Zapfen und Falz. So entsteht am Ende nicht nur die besondere geometrische Form, sondern zugleich ein außergewöhnliches Behältnis.

  1. Ausgangsform sind zwei Halbkugeln mit einem Durchmesser von 90 mm. Dafür wird eine Kantel mit etwa 120 × 95 × 95 mm benötigt, die mit der Schruppröhre auf einen Durchmesser von etwa 92 mm rundgedreht wird.
  2. Mit einem breiten Abstechstahl oder Bedan und einem Taster wird an beiden Seiten jeweils ein Zapfen zur Aufnahme im Spannfutter angedreht.
  3. Nun muss der Rohling zunächst aufgetrennt werden. Ein Teil wird auf etwas mehr als 45 mm Länge abgetrennt. Das andere Teil erhält zusätzlich einen 3 bis 4 mm langen Zapfen und sollte deshalb mindestens 50 mm lang bleiben.
  4. Damit die Maserung beim fertigen Werkstück über beide Teile durchgängig verläuft, sollte beim Auftrennen so wenig Holz wie möglich verloren gehen. Dazu verwende ich einen lediglich 1,5 mm breiten Abstecher.
  5. Mit dem schmalen Eisen steche ich etwa 25 bis 30 mm tief ein. Anschließend wird der Rohling mit einer Japansäge vollständig durchtrennt.
  6. Begonnen wird mit dem Deckel. Mit einer 9-mm-Röhre und dem als Schaber eingesetzten Meißel wird die Hirnholzfläche sauber plan gedreht und geglättet.
  7. Die Hirnholzfläche muss absolut eben sein. Kontrolliert wird dies mit einem Stahllineal.
  8. Um das Maß der Innenform des Deckels zu bestimmen, muss zunächst eine Maßzeichnung im Maßstab 1:1 angefertigt werden. Mit einem Radius von 45 mm wird mit dem Zirkel ein Halbkreis geschlagen.
  9. Mit dem Stahllineal werden von den beiden Endpunkten des Halbkreises Linien zum oberen Kreismittelpunkt gezogen. Dieses Dreieck dient als Orientierung für die spätere Außenform.

Den vollständigen Artikel findest Du in der Ausgabe 76 des DrechslerMagazins.

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