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Kreisellabyrinth
Werkbericht von Jens Holtkamp
Labyrinthe üben seit jeher eine geheimnisvolle Faszination auf uns Menschen aus und sind seit Jahrhunderten tief in unserer Kultur verwurzelt. Sie wurden in Felsen und Ton geritzt, auf Keramik gemalt, mit Steinen ausgelegt oder in alte Handschriften gezeichnet. Bis heute bleibt es spannend, den Weg von außen bis ins Zentrum zu finden – eine Herausforderung, die mit etwas Geschick zum Erfolg führt.
Dieses Kreiselspiel erweitert mit seiner markanten Optik mein Angebot an gedrechselten Kreiseln auf Ausstellungen und wird von den Besuchern gerne ausprobiert. Dank des einfachen, übersichtlichen Aufbaus erklärt sich das Spielprinzip von selbst, da Start und Ziel klar erkennbar sind.
Gefertigt habe ich das Kreisellabyrinth aus Ahorn und Nussbaum, deren Farbkontrast die Gestaltung besonders hervorhebt. Die Herstellung erfordert präzises und sorgfältiges Arbeiten, denn für ein gelungenes Spielerlebnis ist ein gut laufender Kreisel entscheidend. Deshalb habe ich eine Form mit massivem, tief liegendem Schwerpunkt gewählt. So dreht sich der Kreisel bei ausreichend Schwung sehr lange und lässt sich durch leichtes Kippen des Spielfelds sicher durch das Labyrinth führen.
In den ersten Arbeitsschritten wird der Rohling für das Spielfeld vorbereitet. Zum Einsatz kommen dabei Massivholzbretter von FEINSCHNITTkreativ: benötigt werden Ahornplatten in den Stärken 2 mm und 20 mm sowie eine Nussbaumplatte in 4 mm. Um das Gewicht des Spielfelds zu reduzieren, kann das 20-mm-Ahornbrett optional mit einem Dickenhobel auf 14 mm abgehobelt werden.
- Zusätzlich zu den eingangs erwähnten Massivholzbrettern werden folgende Rohlinge für den Kreisel benötigt: Nussbaum (50 × 50 × 20 mm) für den Körper und ein Stück Ahorn (20 × 20 × 90 mm) für den Stiel. Außerdem wird ein rundes Rest- bzw. Opferholz benötigt, das in die Spannbacken passt – hier mit einem Durchmesser von 35 mm und einer Länge von 60 mm.
- Das Spielfeld hat später eine Größe von 125 × 125 mm. Da die drei Platten beim Verleimen leicht verrutschen können, wird der Zuschnitt etwas größer gewählt, nämlich 128 × 128 mm.
- An der Bandsäge schneide ich das 2-mm-Ahornbrett und das 4-mm-Nussbaumbrett in einem Arbeitsgang gleichzeitig zu. Das 14 mm starke Ahornbrett wird an der Tischkreissäge rechtwinklig zugeschnitten.
- Mit einem feinen Kunststoff-Zahnspachtel verteile ich den Holzleim auf dem dicken Ahornbrett. Darauf wird das 4-mm-Nussbaumstück in gleicher Faserrichtung gelegt und ebenfalls mit Holzleim bestrichen. Anschließend folgt das 2-mm-Ahornstück. Da beim fertigen Labyrinth schmale Ringe aus dem 2-mm-Ahorn auf dem Nussbaum stehen bleiben, muss der Leim gleichmäßig und lückenlos verteilt werden. Andernfalls können sich die Ringe lösen und das Projekt misslingt.
- Bei allen drei Lagen verläuft die Maserung in dieselbe Richtung. Anschließend werden sie mit vier Schraubzwingen möglichst fest zusammengepresst. Sperrholzzulagen verhindern dabei Druckstellen auf dem Werkstück und verteilen den Anpressdruck gleichmäßig über die gesamte Fläche. Ein geringes Verrutschen der Platten ist unkritisch, da sie bewusst etwas größer zugeschnitten wurden.
- Für den Kreiselkörper werden aus dem 2-mm-Ahorn und dem 4-mm-Nussbaum jeweils Stücke mit den Maßen 50 × 50 mm zugeschnitten.
- Auch diese Teile werden mit Holzleim bestrichen und zusammen mit dem Nussbaumklotz sowie dem Restholz für die spätere Aufnahme im Spannfutter verleimt. Dabei ist ebenfalls auf den einheitlichen Verlauf der Faserrichtung zu achten. Dem Holzleim sollte ausreichend Zeit zum Aushärten gegeben werden, idealerweise über Nacht.
Den vollständigen Artikel findest Du in der Ausgabe 75 des DrechslerMagazins.