Alain Mailland – Symbolik der Leere

Künstlerporträt

In der ruhig gelegenen Werkstatt von Alain Mailland in Südfrankreich werden tagtäglich die Gesetze des Handwerks und die scheinbare Starre der Werkstoffes Holz herausgefordert. Wer seine ästhetische Welt betritt, muss Bilder von klobigen Treppenpfosten und rustikalen Schalen am Eingang hinter sich lassen. Hier wird Holz nicht bloß in eine runde Form gebracht; es wird regelrecht entfesselt. Mailland erschafft Skulpturen, die so filigran sind, dass sie bei jedem Luftzug zu erzittern scheinen – hybride Wesen, die irgendwo im Grenzbereich zwischen Tiefseeorganismen, exotischen Blüten und fernen Galaxien existieren. Es ist eine Kunst der radikalen Reduktion, bei der am Ende oft mehr Luft als Material übrigbleibt. Wer verstehen möchte, wie aus einem knorrigen, erdverkrusteten Wurzelstock tanzende Formen entstehen, muss den Werdegang des Künstlers betrachten. Denn Mailland musste zunächst lernen, die Technik und somit das Holz zu beherrschen, um es schließlich auf kunstvolle Weise freizulassen.
Alain Mailland, 1959 an der Elfenbeinküste geboren und in Frankreich aufgewachsen, fand seinen Weg zum Holz über Umwege, die ihn heute als Künstler erden. Bevor er die Drehbank zu seinem primären Ausdrucksmittel machte, arbeitete er jahrelang als Maurer und Zimmermann. Diese Erfahrung im Hochbau und später als Möbelbauer gab ihm ein tiefes Verständnis für Statik und Belastungsgrenzen. Doch die rein funktionale Arbeit, das Bauen von Schränken und Treppen, genügte seinem schöpferischen Drang auf Dauer nicht. Zwar besuchte er für zwei Jahre die Nationale Kunsthochschule in Cergy-Pontoise, doch der dortige Fokus auf das konzeptionelle Schaffen trieb ihn zurück zur fühlbaren Materie. „Das war der Beginn der neuen Kunsthochschulen, die hauptsächlich Techniken lehrten, anstatt mit Materialien wie Farbe oder Holz zu arbeiten … also habe ich abgebrochen“, reflektiert er heute. Den entscheidenden Wendepunkt markierte schließlich ein Moment der reinen Neugier im Alter von 28 Jahren: Ein Freund hatte für kurze Zeit eine Drehbank zur Verfügung und schlug vor, gemeinsam die Techniken rund um das Rotieren des Holzes zu erkunden. Ohne Lehrer, ohne YouTube-Tutorials, schabte er sein erstes Schachspiel aus dem Holz. „Ich erinnere mich, dass ich mit dem Meißel mehr gekratzt als geschnitten habe! Aber das war gar nicht so schlecht … Ich habe allerdings sehr viel Schleifpapier verwendet!“, scherzt er rückblickend über diesen ersten Versuch. Ein einwöchiger Kurs bei Philippe Bourgeat legte schließlich das technische Fundament, auf dem Mailland in den folgenden Jahrzehnten eine völlig eigene, weltweit einzigartige Sprache entwickeln sollte.

Den vollständigen Artikel findest Du in der Ausgabe 74 des DrechslerMagazins.

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