PRAXIS

Nudelholz und Ravioli-Rolle

Werkbericht von Holger Graf

Nudelhölzer gibt es in zahlreichen Formen und Ausführungen. Ebenso verschieden sind die regionalen Bezeichnungen wie z. B. Teigrolle, Wellholz, Nudelwalker oder auch Rollholz. In der Regel ist es eine Walze, traditionell aus Holz oder Keramik, mit der man Teig gleichmäßig ausrollt und zu Kuchenböden oder eben dünnen Nudelplatten formt. Letzteres wird im privaten Haushalt heute jedoch leider nur noch wenig gemacht, denn das Angebot von getrockneten Fertignudeln ist natürlich verlockend. Dennoch gehört ein Nudelholz unbedingt in jeden Haushalt und die Herstellung zählt zu den klassischen Drechselarbeiten. Falls Sie dann auch noch die hier vorgestellte Ravioli-Rolle drechseln, wird die selbstgemachte Pasta zukünftig besonders lecker schmecken.

 

Teil 1 – Nudelholz

Die hier vorgestellte Teigrolle aus Ahorn ist eine sehr traditionelle, aber nach wie vor aktuelle Form, die ohne Achse und seitliche Griffe auskommt. Die Abschlussprofilierung dient einzig und alleine zur Verzierung des Zylinders, der einfach mit den flachen Händen über den Teig gerollt wird.

  1. Für die traditionelle Teigrolle verwenden wir in dieser Anleitung ein Stück Ahorn mit den Maßen 350 x 65 x 65 mm. Durchmesser und Länge sind jedoch variabel und hängen natürlich auch vom persönlichen Geschmack ab.
  2. Das Kantholz wird an den Hirnenden zentriert und mit einem Körner die Mitten vorgestochen. Dies erleichtert das Ansetzen des Mitnehmers und der Spitze beim Einspannen.
  3. Mit einer breiten Schruppröhre wird die Kantel gleichmäßig auf den größtmöglichen, runden Durchmesser gedreht.
  4. Nun wird die Fläche mit einem breiten Meißel auf den Durchmesser von etwa 62 mm geschlichtet und somit alle Unebenheiten und eventuelle Faserausrisse beseitigt.
  5. Mit einem Stahllineal wird die Fläche geprüft. Diese sollte plan sein oder von der Mitte aus gleichmäßig zu beiden Seiten max. 1 bis 2 mm abfallen. Auf keinen Fall sollte die Fläche hohl oder wellig sein.
  6. Ausgehend von den Stirnflächen werden 1 cm breite Zapfen angezeichnet, in denen die Zentrierspitze bzw. der Mitnehmer sitzen. Dann folgt ein weiterer Maßstrich bei 4 cm, der die Länge der Endprofile markiert. Diese sind somit 3 cm lang [...]

Teil 2 – Ravioli-Rolle

Schnell und dennoch handgemacht entstehen auch größere Portionen Ravioli mit dieser Spezial-Nudelrolle. Einfach den Nudelteig dünn ausrollen, eine feincremige Füllung aufstreichen und mit einer weiteren Schicht Nudelteig abdecken. Nun wird die Ravioli-Rolle mit Druck darüber gerollt und aufgrund der Aussparungen entstehen gleichgroße und gefüllte Teigtaschen. Falls die Teigtaschen mit grobgewürfelter Füllung oder Hackfleisch hergestellt werden sollen, einfach die Ravioli-Rolle zuerst auf der untersten Lage Teig abrollen und anhand des Abdrucks kleinere Häufchen der Füllung platzieren. Dann die zweite Teigplatte auflegen und wiederum mit der Rolle die Teigtaschen verschließen. Nun können Sie die Ravioli mit einem Messer oder Teigrädchen trennen und nach dem Kochen genießen. Zunächst zeigen wir Ihnen aber nachfolgend, wie die Ravioli-Rolle gedrechselt wird.

  1. Der winklig gehobelte Rohling (Ahorn) für unsere Ravioli-Rolle besitzt einen Durchmesser von 65 x 65 mm und eine Länge von 265 mm. Auch hier sind die Maße nicht sonderlich relevant, jedoch sollte der Durchmesser nicht weniger als 50 mm betragen.
  2. An einer Stirnseite werden an den Kanten exakt die Mitten markiert und jeweils das Maß der Stege angezeichnet. In unserem Beispiel 14 mm, also 7 mm rechts und links der Mittenmarkierung.
  3. Die erforderlichen Nuten (10 mm tief) werden am einfachsten mit einer Oberfräse hergestellt. Schnell kann man sich mit einer MDF-Platte, einem Kantholz als Anschlag und zwei Schraubzwingen einen einfachen, aber für diesen Zweck ausreichenden Frästisch bauen.
  4. Da sich die Nutbreite vorab nicht verlässlich festlegen lässt und einige Zehntel Toleranz bereits für zu lockere oder klemmende Stege sorgen könnten, werden diese erst jetzt maßhaltig aus Nussbaumholz zugeschnitten. So passen die schmalen Leisten exakt in die Nuten.
  5. Die Mitten werden wieder vorgekörnt und der Rohling zwischen den Spitzen mit einer sehr scharfen Schruppröhre zylindrisch auf den stärksten Durchmesser gedreht. [...]

 

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 47 / Sommer 2019 finden Sie den vollständigen Artikel.