Hannes Bernhofer – Holz braucht Zeit

Im Porträt

Als ich mit gerade einmal zehn Jahren vor die Buchenholzdrehbank von meinem Opa gestellt wurde, hatte ich die Hosen voll. Doch ohne große Vorrede hieß es: „Foa nur zuwie“, und die Späne flogen. Harte Arbeit war es damals und ich bin bei ihm durch eine strenge Schule gegangen. Er bearbeitete die Schalen nämlich noch mit der aufgestellten Längsholzröhre. Oftmals musste es mich „einireißen“ bis ich es verstand und noch länger dauerte es, bis ich ein Gefühl dafür bekam. Wir drechselten Schalen, Bilderrahmen, Kerzenständer und vieles mehr. Schaben ließ er nicht gelten. Ach, wie schön, allzu oft spüre ich noch seine Anwesenheit und bin mir beinahe sicher, er schaut mir vom Himmel aus zu. Ein Sprichwort von ihm, das mich bis heute begleitet lautet: „Bled derfst sein, oba zuhöfn muast da wissen“, was so viel heißt wie: „Blöd darfst du sein, aber du musst dir zu helfen wissen.“ Heute versuche ich, seine traditionelle Arbeitsweise mit Karniesen und Rundstäben spielerisch und experimentell weiterzuentwickeln und etwas Klares, Schlichtes und Modernes daraus entstehen zu lassen. Wobei ich das Holz und seine Eigenschaften in den Mittelpunkt stelle und nur die Form vorgebe.

 

Als ich älter war, fuhr ich mit meinem Vater oft zu Designmessen und Kunstausstellungen. Er lehrte mich, mein Auge zu schulen. Proportionen, Gleichgewichte und handwerkliche Perfektion sind seine Themen im Bereich der Tischlerei. Mein Vater nahm auch gerne an Designwettbewerben teil, so auch in Kortrijk in Belgien. Bei diesem europaweiten Wettbewerb belegte er mit einer Holzbank, die sich von 1,80 Meter auf 4,20 Meter ausziehen lässt und dabei ohne Metallteile auskommt, den zweiten Platz. Auch heute fertigt er noch vorwiegend Unikate wie Stirnholztische, eine Yin-und-Yang-Ausziehcouch oder seine Wurzeltische, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Auch mein Urgroßvater hatte ein Gespür für Holz. Er war der Rechenmacher in unserer Gegend. Wie man sieht, komme ich aus einer Holzfamilie. Ohne diese Einflüsse wäre ich nicht der, der ich heute bin. Alles passierte in dieser kleinen Werkstatt im Keller meines Hauses, in der ich heute arbeite und von dem leben kann, was ich mit meinen Händen produziere.

 

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 43 / Sommer 2018 finden Sie den vollständigen Artikel.

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