PRAXIS

Ein lustiger Vogel

Werkbericht von Randolf Pohl

Für geübte Drechsler bietet das exzentrische Drechseln eine interessante Alternative, um ungewöhnliche Formen zu gestalten. Sie benötigen dazu auch kein teures Spezialfutter, das dann die meiste Zeit ungenutzt im Werkzeugschrank liegt. Exzentrisch drechseln lässt sich sowohl zwischen den Spitzen, durch Versatz einer oder beider Spitzen sowie auch im Vierbackenfutter mithilfe von Distanzstücken. Gewöhnungsbedürftig bei dieser Art des Drechselns ist, dass sich das Werkstück ganz oder teilweise außermittig dreht und durch den ungewohnten Flugkreis die zu bearbeitenden Bereiche quasi nur als Schatten zu erkennen sind. Deshalb sollte man die Drehgeschwindigkeit anfänglich nicht zu hoch einstellen und sich dem Werkstück vorsichtig mit der Röhre nähern. Schnell werden Sie feststellen, dass sich die Spanabnahme mit einem scharfen Werkzeug sehr gut bewerkstelligen lässt und somit rasch Sicherheit gewinnen. So erging er mir zumindest bei meinen ersten Versuchen und ich konnte recht schnell einige kleine Projekte verwirklichen.

 

 

Ein solches Projekt ist diese Vogelfigur mit beweglichem Kopf. Diese wurde für die Bearbeitung in vier Ebenen unterteilt (siehe Zeichnung). Die dort angegebenen Maße beziehen sich auf die hier vorgestellte Figur, um die Größenverhältnisse zu verdeutlichen. Sie können bei Ihren eigenen Projekten, je nach vorhandenem Holz, natürlich von diesen Vorgaben abweichen. Für diesen Vogel habe ich mir ein Stück Ahorn von 75 x 75 x 150 mm zugeschnitten und zunächst rundgeschruppt. Der Zylinder wird an beiden Seiten sauber abgestochen und bekommt auf der einen Seite einen Zapfen von circa 7 mm Länge und einem Durchmesser von 39 mm. Mit einem speziellen Schaber wird dieser konisch zum Schwalbenschwanz geformt, sodass er formschlüssig ins Vierbackenfutter passt.
Durch das Einspannen zum Rundschruppen ist auch auf der anderen Seite des Zylinders bereits der Mittelpunkt markiert. Durch diesen ziehe ich eine Linie, an der ich die anderen Ebenen (1-3) im Abstand von jeweils 5 mm ausrichte. Anschließend nehme ich den Rohling ins Futter auf und stütze ihn mit der mitlaufenden Körnerspitze bei der Markierung der Ebene 0 ab. Nun markiere ich die gesamte Länge des Vogelkörpers anhand von Einstichen mit dem Meißel. Den zu bearbeitenden Bereich in dieser Ebene zeichne ich mir grob mit einem Bleistift an, um zur nächsten Ebenen in Richtung Schwanz nicht zu viel Material abzutragen.
Ich beginne damit, den vorderen Teil des Vogels zwischen linkem Einstich und Bleistiftmarkierung zu bearbeiten. Der größte Umfang der Figur liegt etwa in der Mitte dieser beiden Markierungen und nimmt dann zum Schwanzende hin stetig ab. Deshalb arbeite ich zunächst die Rundung zur Brust und deute den Verlauf des Körpers zum Schwanz hin nur leicht an. Der Rohling befindet sich immer noch im Futter und ich wechsle am Schwanzende auf die Ebene 1, danach auf die Ebene 2 und arbeite mich so vorsichtig an die Form heran. Weil der Zapfen des Rohlings im Futter durch das Anheben auf die 3. Ebene möglicherweise nicht mehr genug Halt hat, tausche ich das Futter am Kopfende gegen einen Vielzackmitnehmer aus und drechsle auf dieser Ebene weiter.

 

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 46 / Frühjahr 2019 finden Sie den vollständigen Artikel.