PRAXIS

Extravagante Kugeldose

Anleitung von Ger Vervoort

Zu Beginn meiner Drechseltätigkeit hatte ich Mitte der Neunzigerjahre neben einer englischsprachigen Zeitschrift auch die Deutsche Drechsler-Zeitung abonniert. Immer wieder war ich beim Betrachten der gezeigten Arbeiten sehr verwundert und fragte mich, wie die international bekannten Drechsler solche Objekte wohl herstellen. Ich konnte mir damals einfach nicht vorstellen, wie gewisse Arbeiten gedrechselt werden konnten. So auch eine Dose des australischen Drechslers Stephen Hughes, die im Jahr 1994 auf der Titelseite der Drechseln abgebildet war. Erst vor einigen Monaten fiel mir diese Zeitschrift beim Aufräumen wieder in die Hände und sofort wurde in mir erneut die Neugier geweckt. Ich konnte es nicht lassen und musste ausprobieren, wie diese Kugeldose auf zwei Beinen gedrechselt werden konnte. Die ersten spontanen Versuche gingen schief und ich investierte sehr viel Zeit und Aufwand, was mich aber umso mehr anspornte. Schnell war jedoch klar, diese Dose erfordert eine gute Planung, genaue Skizzen, Schablonen und eine exakte Arbeitsweise. Erst der dritte optimierte Versuch brachte mich zum Erfolg, den ich nachfolgend mit Ihnen teilen möchte.

 

 

  1. Als Rohling diente mir ein zehn Jahre lang abgelagertes Stück Kirschbaum mit den Maßen 260 x 100 x 90 mm. Anhand der exakt auf dem Holz positionierten Maßzeichnung wurde zuerst die Position des Sägeschnitts auf das Holz übertragen.
  2. Um den Rohling später exakt zentrisch ausrichten zu können, ermittle ich zunächst die Mittelpunkte an den Stirnseiten der Kantel. Dazu verwende ich einen Messschieber und steche den Mittelpunkt mit einer Ahle ein.
  3. Nun wird die Kantel zwischen den Spitzen aufgenommen und an beiden Stirnflächen ein Zapfen für die spätere Aufnahme im Spannfutter angedreht.
  4. Anschließend wird der Rohling exakt an der anfangs markierten Trennlinie an der Bandsäge auseinandergesägt. So entstehen zwei gleiche Teile.
  5. An den Schnittflächen wird nun ebenfalls wieder exakt die Mitte ermittelt und mit einer Ahle angekörnt. Beim nachfolgenden Einspannen im Futter wird an dieser Stelle die Zentrierspitze angesetzt und somit das Werkstück exakt in der Flucht ausgerichtet.
  6. So wird zuerst das Oberteil im Spannfutter aufgenommen und die Stirnfläche plan überdreht. Dies sollte möglichst mit einem Metalllineal o. Ä. geprüft werden, denn auch hier ist exaktes Arbeiten äußerst wichtig.
  7. Mit einer 10-mm-Röhre drehe ich nun erst einmal nur 80–90 Prozent des Innenraums heraus.
  8. Das Dosen-Unterteil wird wie bereits das Oberteil mithilfe der Spitze exakt gefluchtet und sicher im Spannfutter fixiert. Da hier der Falz entsteht, muss die Fläche 4 mm abgesetzt werden.

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 46 / Frühjahr 2019 finden Sie den vollständigen Artikel.

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