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Gabriel Tarmassi – Gestalter im Handwerk
Weiterbildungsmöglichkeit für kreative Holzhandwerker

Ein ehrliches Handwerk ausüben, mit den eigenen Fertigkeiten aus dem faszinierenden Werkstoff Holz einen Gebrauchsgegenstand formen, eigene Ideen in Holz umsetzen können – dies waren zunächst die Beweggründe für Gabriel Tarmassi, sich für eine Ausbildung zum Schreiner zu entscheiden. Nach seiner Gesellenprüfung wurde ihm jedoch schnell klar, dass er nicht nur nach technischer Perfektion streben oder Kundenwünsche in der Funktion eines Dienstleisters verwirklichen wollte. Tarmassi hegte den Wunsch, sein handwerkliches Geschick mit faszinierenden Designs zu kombinieren und auch seinen eigenen Ideen mehr Raum geben zu können. Er suchte nach neuen Perspektiven und frischen Impulsen, um seine Visionen in die Tat umzusetzen und sich somit auf lange Sicht ein Standbein im Bereich der kreativen Holzbearbeitung aufzubauen.

Nach eingehender Recherche konnte er relativ schnell den idealen Weiterbildungszweig für sich finden. Die einjährige Weiterbildung zum Gestalter im Handwerk an der Akademie für Gestaltung und Design in München bot das ideale Gesamtpaket, um die Fähigkeiten des gelernten Schreiners weiter auszubauen. Die Weiterbildung ist exakt auf interessierte Handwerker zugeschnitten, die im Unterricht das gestalterische Rüstzeug erlernen, um künftig den eigenen Entwürfen Ausdruck zu verleihen und diese in den Werkstoff Holz übertragen zu können. Die Anleitung zur Entwurfsentwicklung, das Anfertigen von Modellen und Skizzen, die Bearbeitung von Entwürfen am Computer sowie die praxisorientierte Auseinandersetzung mit den eigenen Ideen, machen die Ausbildung sehr vielseitig und entlässt gut ausgebildete junge Gestalter in die Berufswelt, in der Innovation und Kreativität, gerade im handwerklichen Bereich, immer gefragter sind. Insbesondere der interdisziplinäre Ansatz eröffnete Gabriel Tarmassi weiteren Freiraum für seine Experimente und der Austausch mit motivierten Kollegen aus anderen Gewerken brachte ihn in seiner Entwicklung enorm weiter.

An der Akademie ergab sich für Tarmassi schließlich auch die einzigartige Möglichkeit, bei Ernst Gamperl zu hospitieren – einem seiner großen Vorbilder. „In einer malerischen Landschaft, in dieser gigantischen Werkstatt, mit diesem visionären Künstler zu arbeiten und mit seinen bahnbrechenden Gefäßen eine Woche zu verbringen, das war ein echter Meilenstein und mein Augenöffner“, schwärmt Gabriel Tarmassi. Besonders beeindruckte ihn, wie Ernst Gamperl das Material als gestalterischen Raum begreift und seine Objekte über einen Zweck hinauswirken.

Diese Inspiration hielt vor und in seinem Abschlussprojekt für die staatlich anerkannte Prüfung zum Gestalter im Handwerk untersuchte er die Struktur unterschiedlicher Holzarten und erstellte die beeindruckende Reihe mit dem Titel LIDS. Für eine einfache Metallschale aus geschwärztem Stahl erstellte Tarmassi 21 verschiedene Deckel aus Ahorn, Esche und Eiche. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Definition von Struktur. Die Deckel wurden auf der Drechselbank erstellt und anschließend mit drei Techniken der Oberflächengestaltung bearbeitet: Schnitzen, Sandstrahlen und Bürsten. Während der Reduktion untersuchte er den Charakter und die Härte der verwendeten Holzarten und jeder Deckel dieser seriellen Arbeit wurde zu einem eigenständigen Unikat. Die sorgfältige Auswahl des Materials und geringfügige Abweichungen während des Herstellungsprozesses führten zu einer studienartigen Serie, die die raffinierte Kombination von Design und traditionellem handwerklichem Können demonstriert.

Im März 2019 stellte er auf der Internationalen Handwerksmesse in München in der Sonderschau TALENTE aus – einem internationalen Wettbewerb junger Handwerker im Bereich Gestaltung und Technik – und begeisterte die Besucher. „Jetzt zieht es mich erst mal auf Wanderschaft, aber mittelfristig möchte ich mein Wissen weitergeben und eine eigene Werkstatt aufbauen“, sagt Gabriel Tarmassi.

www.hwk-muenchen.de/akademie
www.gabrieltarmassi.com    

Erschienen im DrechslerMagazin Ausgabe 47 / Sommer 2019.

 

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