Porträt & Reportagen


Gordon Pembridge – Drechselkunst als Leinwand

Die Drechselkunst eröffnet ein weites Feld an Gestaltungsmöglichkeiten. Die Formgebung, die Verwendung verschiedener Holzarten und auch Hilfsmittel, ermöglichen es dem Drechsler seine Vorstellungen zu verwirklichen und dem Werkstoff eine einzigartige Gestalt zu verleihen. Doch es gibt auch diverse Techniken, um die Werkstücke nach dem eigentlichen Drechselvorgang weiter zu veredeln. Eine beliebte Methode ist das Schnitzen oder auch die Verwendung von Lasuren, Beizen oder Harz. Gordon Pembridge ist ein Künstler, der die Ausgestaltung von gedrechselten Gefäßen an die Grenzen der Vorstellungskraft treibt. Die hauchdünn gedrehten Werkstücke werden von Pembridge mit einem Fräswerkzeug zu filigranen Kunstwerken weiterverarbeitet, mit Schnitzereien versehen und mit Farbe ausgestaltet. Die Verzierungen werden von ihm so detailliert und außergewöhnlich gearbeitet, dass ein 3-D-Effekt entsteht, der jeden Betrachter zum Staunen bringt.  

Der vielseitig talentierte Künstler wurde 1967 in Kenia geboren, wo sein Vater eine Teeplantage verwaltete. Seine ersten zehn Lebensjahre, die er in Ostafrika verbrachte, beschreibt Pembridge selbst als sehr prägend. Noch heute, zehrt er von den Kindheitserinnerungen, die er in seine Kunst einfließen lässt. Doch auch Flora und Fauna seiner zweiten Heimat Neuseeland, in die er mit seiner Familie übersiedelte, prägen seine Arbeit. Der Künstler verspürt eine tiefe Verbindung zur Natur. Seine Designs sind von seiner Liebe zur neuseeländischen Naturgeschichte sowie der Faszination für die Wildnis Afrikas inspiriert.

Pembridge absolvierte seine Ausbildung am Internat in Wanganui in Neuseeland, besuchte die Kunstschule sowie verschiedene Designkurse und war zunächst jahrelang als Fotograf tätig. Bereits in seiner Jugend erstellte er Schreinerarbeiten und übte sich im technischen Zeichnen. Die Faszination für geschwungene Elemente, die er in die Erstellung seiner Möbelstücke einfließen lassen wollte, brachte ihn 2004 zum Drechseln. Er belegte einen Kurs bei der South Auckland Woodturners Guild – und die Begeisterung für das drehende Handwerk blieb bis heute erhalten. „Ich liebe die Wärme von Holz. Wenn ich mit Holz arbeite, erinnere ich mich daran, wie wertvoll dieses Material ist. Während der Bearbeitung werden die Jahresringe sichtbar und die Geschichte des Holzes offenbart sich. Ich bin der Erste, der in das Holz sieht, wenn ich es auf der Drehbank bearbeite.“ Pembridge findet es faszinierend die Struktur des Holzes an seine Grenzen zu bringen, indem er dünne, durchbohrende Akzente und Relief-Schnitzereien zu einem von der Natur inspirierten, wunderschönen natürlichen Motiv formt.
Bei der Herstellung seiner Gefäße geht Pembridge eher methodisch vor. Zunächst wählt er ein geeignetes Stück Holz aus. Er achtet dabei besonders auf die Holzart und die Maserung. Er bevorzugt für seine Arbeiten ein feingemasertes, dicht gewachsenes Holz, um seine dünnwandigen Gefäße bestmöglich umsetzen zu können. „Normalerweise verwende Macrocarpa (Monterey-Zypresse) für meine Gefäße und drechsle nass. Ich verwende relativ einfache Holzdrehtechniken. Die Hauptsache ist zunächst, eine ansprechende Form zu erreichen, damit das Gefäß das Motiv später angemessen präsentieren kann.“  Die Wandung des Gefäßes wird dann von Hand zu einer glatten, ebenen Oberfläche geschliffen. Das gedrechselte Objekt wird Pembridge nämlich im Anschluss als Leinwand für das auserkorene Motiv dienen. Die Füße werden mit rotierenden Schnitzwerkzeugen sowie von Hand geschnitzt und geschliffen.

 

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 46 / Frühjahr 2019 finden Sie den vollständigen Artikel.