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Der Tulpenbaum
Holzporträt von Raimund Aichbauer

Der Tulpenbaum stammt ursprünglich aus dem östlichen Teil Nordamerikas. Vom Golf von Mexiko bis nach Neufundland und den großen Seen ist er überwiegend in den Appalachen heimisch. Mitte des 17. Jahrhunderts ist er nach Europa eingeführt worden und mittlerweile ein verbreiteter Baum in unseren Parklandschaften. Die erste sichere Erwähnung, ist die Pflanzung eines Baumes im Jahr 1688 im Park des Fulham Palace in London. Der älteste mir bekannte Tulpenbaum steht in Belgien beim Château de Modave in Lüttich und wurde um 1700 gepflanzt. Der Baum kann ein besonders hohes Alter von über 450 Jahren erreichen.
Der Tulpenbaum ist einer der ursprünglichsten Bedecktsamer unserer Erde. Er gehört zur Familie der Magnoliengewächse (Magnoliales). Fossilien belegen, dass diese Gattung schon vor über 100 Millionen Jahren mit einigen Arten vertreten war. Der Entwicklungshöhepunkt liegt etwa 50 Millionen Jahre zurück. Zu dieser Zeit war der Baum mit einigen Arten auch in unseren Gefilden beheimatet. Ein lebendes Fossil und einer der größten und am schnellsten wachsenden Bäume der gemäßigten Klimazone.

Heute gibt es nur noch zwei Arten: den Amerikanischen Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), in Amerika ein wichtiger forstwirtschaftlich genutzter Baum, und den nur halb so groß werdenden Chinesischen Tulpenbaum (Liriodendron chinense). Bei uns ist anfangs beinahe ausschließlich der Amerikanische Tulpenbaum angepflanzt worden. Erst seit dem 20. Jahrhundert ist auch der Chinesische Tulpenbaum zu finden.
Der Amerikanische Tulpenbaum kann eine Maximalhöhe von bis zu sechzig Metern erreichen, hat einen geradschaftigen, säulenförmigen Stamm, der im dichten Bewuchs bis zu dreißig Metern Höhe astfrei sein kann und  eine schmale, kegelförmige Krone bildet. Im Freiland stehend ist der Baum meist viel weniger hoch, eher breit ausladend und kann einen Kronendurchmesser von rund dreißig Metern erreichen. Auch der Stammdurchmesser kann im Alter spektakuläre Maße von bis zu 2,5 Metern erreichen, üblich ist hingegen eher ein Durchmesser von 1,5 Metern. Der Baum stellt wenig Ansprüche an Bodenverhältnisse, gedeiht aber an sandigen, nassen Standorten am besten und vor allem schneller. Der Baum ist raschwüchsig und kann an günstigen Standorten in rund 25 Jahren eine Höhe von über dreißig Metern und einen Durchmesser von bis zu achtzig Zentimetern erreichen. In jungen Jahren ist die Rinde noch aschgrau und glatt. Mit zunehmendem Alter bildet sich ein tiefrissiges, rautenförmiges Muster. Die Rinde hat einen bitteren, aromatischen Geschmack und wird für medizinische Zwecke genutzt ...

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Im DrechslerMagazin Ausgabe 43 / Sommer 2018 finden Sie den vollständigen Artikel.

 

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