Porträt & Reportagen


Derek Weidman – Zeichnen mit der Drechselbank

Beim Begriff Drechselkunst denken die meisten an vollendete Formen und glatte Oberflächen vor allem in der Form von Schalen, Mühlen und Schreibgeräten. Derek Weidmans Objekte stechen hervor, besonders, wenn man diese schließlich als Drechselarbeit wahrnimmt und sich fragt, wie er diese Objekte fertigt. Weidman hat sich auf das mehrachsige Drehen spezialisiert und drechselt vor allem Kopfformen von Menschen, Tieren und auch mystischen Figuren, die er anschließend mit einer Mini-Frässcheibe ausarbeitet und auf spektakuläre Weise abflammt und farbig gestaltet. Die Drechslerei, die auf traditionellen handwerklichen Prinzipien beruht, ist ein schwieriges Feld, um sich mit zeitgenössischer Kunst zu behaupten, doch der Kunstmarkt hat Weidmann bereits mit offenen Armen aufgenommen.

 

Der Ausnahmedrechsler wurde 1982 geboren und lebt heute in Pennsylvania. Schon als Kind kam Weidman mit der Holzkunst in Berührung. Sein Vater, Doug Weidman, war Vogelschnitzer und beherrschte die spezielle Kunst des Reifendrehens. Er gab seinem Sohn nicht nur die Begeisterung für Holz und ein Herz für Tiere mit auf den Weg, sondern auch allerhand kreatives Potenzial. Den Ansatzpunkt für seine Kunst bekam Derek sozusagen in die Wiege gelegt, auch wenn er zunächst das Gefilde des Holzhandwerks als das seines Vaters betrachtete und sich eher als Comiczeichner berufen fühlte, wird deutlich, woher er die ursprünglichste Inspiration für seine Kunst zog. Weidmann belegte Kurse am Bucks County Community College, wo ihm von Mark Sfirri beigebracht wurde, die Drehbank als skulpturales Werkzeug einzusetzen. Die Kombination aus deutschem Reifendrehen und mehrachsigem Arbeiten kristallisierte sich als Grundlage seines Schaffens heraus. Weidman entwickelte seine spezielle Technik an der Drechselbank, doch es war letztendlich die Farbgebung, die seinen Arbeiten den letzten Schliff verlieh. Viele Jahre feilte er an seiner Technik, bevor er seinen Mentor Binh Pho traf, der ihn geradezu herausforderte, die Farben kraftvoller und emotionaler einzusetzen. Binh Pho war ein vietnamesisch-amerikanischer Künstler und besonders für seine Formensprache bekannt. Er vereinte in seinen Drechselarbeiten die Liebe zu Farben, die fernöstliche Bildsprache sowie die moderne Kunst und erschuf außergewöhnliche Werke. Er leitete Weidman an, seinen eigenen Stil zu entwickeln und sein Potenzial voll auszuschöpfen. Dieser Ansporn ermöglichte es Weidman, neue Effekte zu erzielen und somit durch den kühneren Einsatz von Farben und kontrastierenden Rändern die Leidenschaft für die Illusration von Comics in seine skulpturale Arbeit mit einfließen zu lassen.

 

Sie möchten weiterlesen? Im DrechslerMagazin Ausgabe 44 / Sommer 2018 finden Sie das komplette Porträt.

 

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